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Ordet - Das Wort

Ordet - Das Wort

von Theodor Dreyer

„Das Wort“ – ursprünglich: „Im Anfang war das Wort“ - ist ein Schauspiel, welches das Leben der Menschen in einem dänischen Dorf ernst nimmt, so wie Kaj Munk es in seiner Jugend auf der Insel Lolland und als Dorfpfarrer in Jütland erlebte.
Fotoquelle:
http://www.feature-film.org/10724/das-wort/

 

Eine Farmerfamilie, mit dem Witwer Morten Borgen, seinen drei Söhnen, Mikkel, Anders und Johannes, Mikkels Frau Inger, die Familie des Schneiders Peter, in dessen Tochter Anders Borgen sich verliebt, sind darin die Hauptakteure. „Es lässt teilhaben an dem Streit zwischen Vertretern der pietistischen „Indre Mission“ und Grundtvigianern, den Anhängern des Kultur und Glauben verbindenden Erneuerers der dänischen Volkskirche, Nicolai Frederik Grundtvig.

Der Film stellt den Wunsch nach Leben ins Zentrum der Handlungen seiner Akteure, gewebt in die Spannung zwischen Ratio und Glauben, Vernünftigkeit und Wahnsinn (vgl). 1 Das Schauspiel, aus dem der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer einen bis heute viel gerühmten Filmklassiker drehte, der 1954 auf der Biennale in Venedig den ersten Preis erhielt, entstand als ein Versuch Kaj Munks, auf einen in seiner Gemeinde erlebten sinnlosen, frühen Tod zu antworten.2

Dreyer thematisiert diese Sehnsucht nach Leben in der Frage, ob in unseren Tagen noch Wunder geschehen können. Wunder wird hier nicht im frömmlerischen Sinne verstanden, sondern mit Wunder ist die Möglichkeit gemeint, im Glauben ein glückliches und sinnerfülltes Leben führen zu können. Auch wenn dreyer dazu am Ende des Filmes ein Wunder im expliziten Sinne geschehen lässt.

Borgen, das Oberhaupt der Farmerfamilie, betete voller Zweifel angesichts eines schweren Unfalls seines zweiten Sohnes Johannes: „ ... Ob Gott mich wohl nicht erhört? Aber ich will es trotzdem versuchen. ... Nein, Inger, nein, wenn ein Vater, obgleich es in äußerster Not um sein Liebstes geht, nicht mehr voller Glauben beten kann, dann ist das Wunder in dieser Welt heimatlos geworden.“ 3

Man spürt die Not hinter diesen Worten, die Schwäche eines Menschen, Erlösung nicht mehr erwarten zu können. Die hochschwangere Inger, entgegnet ihm in ihrem festen und höchst einfachen Glauben an Gott:

Kann unser Herr es nicht trotzdem noch tun, Großvater? Sollte Gott nicht doch mächtiger sein als eines Menschen Zweifel? .... Ich glaube, dass viele kleine Wunder rund um uns herum im Stillen geschehen, wie sie auch früher geschehen sind. Denn unser Herr erhört die Gebete der Leute. Aber er tut es mehr im Verborgenen, um unnötigen Lärm zu vermeiden. Wenn es nicht so wäre, könnte man doch nicht mehr zu ihm beten, wie wir es tun, meine ich. Und Wunder können auch hier bei uns noch geschehen, Großvater, sowohl in dem einen wie in dem anderen Fall.“ 3

Welche Provokation, auch für uns, das Wunder der Veränderung in jedem Augenblick für möglich zu halten. Man entdeckt sich schnell an der Seite Borgens, auf der modernen rationalistischen Ebene Borgens, die im Kleide des gesunden Menschenverstandes das Wunder – den Glauben – für nicht mehr möglich hält.

Der jüngste Sohn, verliebt in die Tochter des Gegenspielers Borgens, findet an einer bestimmten Stelle den Mut, seinem Wunsch nach zu gehen. Er sucht Peter Schneider auf, erhält aber wegen des „Unglaubens seines Vaters“ eine schwere Abfuhr. Auch hier endet die Sehnsucht eines Menschen an der Mauer eines undurchdringlichen Moralisten.

Im Verlauf dieses Filmes gewinnt Johannes, der durch einen Unfall scheinbar verrückt gewordener zweite Sohn Borgens, immer größere Bedeutung. Durch das Studium der Theologie und insbesondere Kierkegaards (ver-)rückt in eine „andere Welt“, verwirrt er den Zuschauer zunächst mit nicht gleich unmittelbar verständlichen biblisch gespickten Äußerungen, die immer wieder versteckt die Frage des Glaubens thematisieren. Er erinnert im Verlauf des Filmes immer mehr an einen heiligen Tor und wird letztlich zur „deutlichsten Christusfigur der Filmgeschichte“. (4) Durch ihn geschieht das Wunder, ausgelöst letztlich durch den einfachen Glauben der Tochter Ingers.

Als Inger, die zärtlich reine Gestalt des Glaubens, ihr ungeborenes Kind verliert und anschließend sogar stirbt, scheint die Dramatik des Lebens in der Tragik zu enden. Ihr Mann Mikkel, der Atheist unter den 3 Kindern Borgens, erstickt geradezu unter dem Schmerz der Verzweiflung.

Doch am Ende kommt es zu diesem überraschend großartigen Moment. Es kommt zu dem, was physisch nicht möglich ist. Das Gebet von Johannes bringt Inger zurück ins Leben.

Und hier kommt es zum schönsten Augenblick im Film: Als Inger wieder erwacht, fragt sie: „Das Kind! Wo ist es? Lebt es?“ und Mikkel, ihr atheistischer Mann antwortet ihr: Ja, Inger, es lebt daheim bei Gott, aber du lebst bei mir, bei mir, bei mir!

Don Giussani schreibt in Le mie letture: Die Frau sagt nicht etwa: "Oh Gott, er lebt bei Gott, also..." , sondern das, was sie noch mehr beeindruckt ist die Tatsache, dass der Ehemann, der ein Atheist ist, "Gott" gesagt hat, und daher ist sie glücklich, weil der atheistische Ehemann gesagt hat: "Bei Gott". Der Film bleibt bei dieser Schwelle des Traumes stehen, in dem die menschliche Sehnsucht sich verliert und neu aufgegriffen wird, als Erwartung des Lebens.“ 5

Und so wird am Ende das Thema des Filmes, der Schrei nach Leben, explizit:

BORGEN: Johannes! Du stirbst mir doch nicht etwa, Johannes?

JOHANNES: Nein, ich bin nur ein wenig müde. Nein, lieber Vater, jetzt beginnt

für uns erst das Leben.

MIKKEL: Oh, Inger! Ja, das Leben, das Leben!

BORGEN: Das Leben!

 

Der Film ist mit 3 weiteren Filmen von Theodor Dreyer auf DVD erschienen (Carl Theodor Dreyer Edition - 4 DVDs 43,95 €)

1) Aus der Einleitung zum Schauspiel „Das Wort“ von Kaj Munk 1925 von Vedersø Præstegård, 31. 10. 1925

2) Hier ist auch sein Brief an seine Mutter abgedruckt, in dem er von seinem Zweifel spricht.

3) Das Wort – online unter: http://www.kajmunk.dk/download.php?list.22 Dreyer hat sich eng an das Textbuch gehalten.

4) http://www.filmzentrale.com/rezis/wortjeb.htm (eine hervorragende Filmkritik von Janis El-Bira

5) L. Giussani, Le mie letture, Rizzoli, S,198

Hubert Keßler

 

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