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Nadar und Simin

Dieser Film enthält geniale Darstellungen eines Dramas um die Wahrheit.

Man könnte auch sagen, ein Wort aus dem Rel. Sinn zitierend: Der Irrtum ist eine verrückt gewordene Wahrheit.

Er spielt im Iran:

2 Familien aus unterschiedlichen Schichten, die miteinander in Kontakt kommen. Es geht auch um muslimische Scheidung und muslimischer Rechtssprechung.


Bildquelle: http://www.critic.de/film/nader-and-simin-a-seperation-2530/bilder/


Die Tochter, man könnte sie als die sprechende Seite des Gewissens betiteln, die versteht, im rechten Augenblick Fragen zu stellen. Der Vater Nadas, der Worte nicht mehr mächtig, um so gewaltiger aber die schweigende und schauende Seite des Gewissens.

Als Zuschauer hat man immer den Eindruck, er durchblickt die Familienverhältnisse bis ins kleinste. Durch diese beiden "Figuren" werden alle anderen Handelnden des Filmes und deren Gründe für ihr jeweiliges Handeln beleuchtet. Man könnte auch sagen, sie decken die Halbwahrheiten auf.

Genial ist aber auch der Blick auf die beiden Kinder der Ehepartner. Beide schauen sich im entscheidenden Augenblick der Aufdeckung der "äußeren" Wahrheiten in die Augen und offenbaren das innere Leid, das Menschen beim Zerbrechen von Beziehungen (Sinn) erleben.

Interessant beleuchtet der Regisseur die muslimische Haltung vor der Wahrheit.

Einerseits die muslimische Frau, ihren Halt in ihrem Glauben an Allah und dessen Rechtsgelehrten findet, die jedoch viele Facetten der Wirklichkeit ausklammert. Sie hat zunächst keine Probleme damit, auf Drängen ihres Mannes hin die Mord - Beschuldigung gegenüber Nada wider besseren Wissens aufrecht zu erhalten. Sie klammert zunächst bestimmte Bereiche aus. Wahres Handeln bedeutet für sie zu tun, was ihr der Imam sagt.

Damit wird deutlich, dass Wahrheit nicht Entsprechung mit der ganzen Wirklichkeit ist, sondern Wahrheit ereignet sich in der Beziehung mit dem Rechtsgelehrten oder Imams.

Wahrheitserkenntnis ist dagegen bei der Tochter Termeh gebunden an ihre persönliche Fähigkeit der Wahrheitserkenntnis, an ihr Gewissen.

Die größte Provokation ist dem Regisseur gelungen mit dem offenen Ende des Filmes. Die Tochter bewahrt ihre "Rolle" auch noch vor dem Scheidungsrichter. Bezüglich der Frage, bei wem sie wohnen will, hat sie sich entschieden, aber gibt keine (vorschnelle) Antwort und stellte ihre Eltern Nadar und Simin und damit den Zuschauer in eine heilsame Frage, vielleicht auch Bitte: Was macht (den Sinn einer) eine Beziehung aus? Sie bewahrt die Position der unaufdringlichen aber unverrückbaren Wahrheit.

Hubert Keßler (siehe auch)

http://www.critic.de/film/nader-and-simin-a-seperation-2530/#comment-form

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