Kamingespräch mit Bosbach in der Stadtkirche Bruchsal - 2.0 am 17. April 2026, 19 Uhr, Stadtkirche
Von Hubert Hieke
Zur Zukunft Europas: Bosbach ohne Blatt vor dem Mund in Bruchsal (Video folgt)
BRUCHSAL, 17. APRIL 2026 | Wie schon Anfang 2025 konnte die Kulturinitiative Bruchsal e. V. am 17. April 2026 erneut mit Wolfgang Bosbach eine der prägnantesten konservativen Stimmen Deutschlands zu einem Gespräch im Vinzentiushaus Bruchsal gewinnen. Und obgleich die Wahlkampfzeiten vorbei sind, fanden sich wiederum fast 200 Zuhörer ein.
Von Hubert Hieke.
Die Veranstaltung, bei der im Gegensatz zum letzten Jahr auch die Bürger ausführlich zu Wort kamen, firmierte unter dem Titel „Quo futurum, Europa?“, deckte aber fast alle Fassetten des politischen Spektrums ab. Der ehemalige CDU-Innenexperte Bosbach hatte bei der professionell von Hubert Keßler moderierten Veranstaltung ein Heimspiel, denn Applaus gab es oft, Widerspruch nur sehr vereinzelt und auch das Durchschnittsalter der Zuhörer lag nur wenig unter dem des 73-jährigen Redners.
Weshalb nur wenige aktive Politiker dem rhetorisch brillanten Bosbach das Wasser reichen können, blitzte bei den prägnanten, nicht immer politisch korrekten Ausführungen des CDU-Urgesteins wiederholt auf. Ob zu innenpolitischen Debatten und der Frage, wie mit dem Erstarken populistischer Positionen in Deutschland und der „Brandmauer“ umzugehen sei, der Familien- und Flüchtlingspolitik, dem politischen Islam oder der Klimapolitik, Bosbach hielt mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg, verpackte seine Antworten aber auch nicht in Watte oder in blumigen Sprüchen, sondern versuchte meist, seine Auffassungen mit Fakten zu unterlegen. Insgesamt müsse die Politik endlich ins Handeln kommen. Zarte Ansätze seien zwar sichtbar, es müsse aber bei Rente, Bürokratieabbau, Migration, Altersvorsorge, Gesundheit oder Pflege noch viel mehr getan werden.
Dabei betonte Bosbach seine Sorge über die zunehmende Moralisierung politischer Debatten in Deutschland, den negativen Einfluss der sogenannten Sozialen Medien und Tendenzen des Gesinnungsjournalismus selbst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Insbesondere wurde Bosbach nicht müde zu betonen, Politik müsse mehr erklären und nicht belehren. Wie dies aber angesichts der zunehmenden politischen Skandalisierung möglich ist, die der Redner ebenfalls deutlich verurteilte, und ob diese problematischen Tendenzen im politischen und gesellschaftlichen Diskurs die Demokratie nicht nachhaltig untergraben, darauf musste auch Bosbach eine Antwort schuldig bleiben.
Unabhängig von einzelnen Fragen kritisierte Bosbach wiederholt den Politikstil der vermeintlichen Alternativlosigkeit und bemängelte anbiederndes Verhalten gegenüber Intoleranten. Man müsse immer zuhören und offen sein für die Argumente anderer, auch kritischer Geister, aber bitte keine naive, anbiedernde Attitüde gegenüber Extremen, sei es von links, rechts oder aus dem religiös-islamistischen Spektrum, so das Credo Bosbachs.
Umrahmt von Raimunds Glasstätters musikalischer Begleitung
Fast zwei Stunden hörten die Anwesenden dem unterhaltsamen, fachkundigen Bosbach aufmerksam zu, der nur einmal bei einer Publikumsfrage zur Schuldenbremse und dem Verhalten von Kanzler Friedrich Merz etwas ins Schleudern kam, ansonsten aber schlagfertig war und der Politik wie auch seiner eigenen Partei einiges ins Stammbuch schrieb. Ob der von Bosbach mehrfach gelobte Bundestagsabgeordnete Olav Gutting und der ebenfalls anwesende Landtagsneuling Thorsten Schwarz einiges davon auch verinnerlichten und sich zu Herzen nahmen?
Veröffentlicht im Landfunker Regioportal Bruchsal
https://landfunker.de/zur-zukunft-europas-bosbach-ohne-blatt-vor-dem-mund-in-bruchsal/
Danke für die zur Verfügungstellung des Beitrages
Hubert Keßler
Video folgt